Entstehung und Entwicklung der Hessenregatta

Der Anfang

Am Anfang schuf Gott die Erde. Er brauchte 6 Tage dazu und ruhte sich am siebenten Tag aus. Tausende Jahre später arbeiten die Menschen nicht mehr so hart und die Woche hatte Dank der Gewerkschaft für viele Menschen nur noch 5 Werktage und einen bezahlten Urlaub.
Viele wollten ihre neu gewonnene Freizeit sinnvoll und sportlich nutzen, dabei aber nicht ganz auf den Erholungswert verzichten und so pilgerten sie in die Vereine und die Bootsfahrschulen und machten ihren Bootsführerschein. Manchen genügte nicht der eine Schein, nein sie wollten Experten werden und sammelten einen Schein nach dem anderen.
Aber was sollten die hessischen Scheinebesitzer mit ihrem neu erworbenen Wissen anfangen. Sie hatten die Lizenz die Welt- bzw. Mittelmeere zu durchqueren aber nur den Main, den Edersee oder den Langener Waldsee, um ihre Wertigkeiten unter Beweis zu stellen. Hessen bot ihnen kein segelsportliches Angebot, um sich zu beweisen.
Im Dezember 1991 erbarmte sich Michael Bauer und nahm sich der verlorenen Seelen an. Als Beauftrageter für Breitensport des Hessischen Seglerverbandes hob er die Hessenregatta für Fahrtensegler aus der Taufe.

Hessenregatta für Fahrtensegler

Die Planung sah eine Woche segeln im Mai auf der Ostsee vor. Der Start Sonntags in Burgtiefe mit dem Ziel Gedser. Von Gedser weiter nach Klintholm. Die nächste und längste Etappe von Klintholm nach Warnemünde. Am Mittwoch ein segelfreier Tag in Warnemünde mit abendlichem Bergfest. Am Donnertag von Warnemünde nach Grömitz und von dort aus am Freitag zurück nach Burgtiefe auf Fehmarn. Der Wettfahrtleiter Werner Suck begleitete die Regatta mit seinem kleinen Motorboot.

An der ersten Hessenregatta 1992 nahmen 20 Schiffe mit 72 Crewmitgliedern teil. Der Grundstein war gelegt und von nun an ging es steil bergauf.

2. Hessenregatta 1993

An der zweiten Hessenregatta nahmen bereits 64 Yachten teil, darunter 17 Shark24 von der Shark-Klassenvereinigung. Als Startschiff und Boot der Wettfahrtleitung wurde das kleine Motorboot der ersten Stunde durch die SY Thales (HR352) ersetzt, was sich bei der Starkwindetappe Klintholm-Warnemünde auszeichnete. Aufgrund der stark gewachsenen Teilnehmerzahl fand das Bergfest, ab jenem Zeitpunkt „Schuppenfete“ genannt, im Schuppen des Yachthafen Mittelmole statt.

Veranstalter der ersten und zweiten Hessenregatta war der Hessische Seglerverband.

3. Hessenregatta 1994

Aufgrund der ein oder anderen Panne und der stark gestiegenen Teilnehmerzahl wurde für die 3. Hessenregatta nach einem Ausrichter-Verein gesucht, der  Erfahrung im Ausrichten von Regatten aufbringen konnte.  Nach einigen Meinungsverschiedenheiten, ob man einen nicht-hessischen Verein an der Küste als Ausrichter suchen sollte, übernahm der Frankfurter Yachtclub (FYC) mit erfahrenen „Regattaleuten“ wie Klaus Oppermann, Walter Müller und Joachim Müller die Rolle des Veranstalters der 3. Hessenregatta. Jürgen Beutel vom  DSC Langen übernahm die Wettfahrtleitung.

Auch für die Auswertung der Regattaergebnisse und der Unterstützung von Land aus kam nun erstmals ein Regatta-Bus zum Einsatz, welcher sich über die Jahre von einem VW-Bus zu einem mit Funk, Flaggenmast, Drucker, Aushangtafeln usw. voll ausgestatteten Begleitfahrzeug entwickelte. Auch die Auswertung zuerst mit Taschenrechner und Papier, dann per Laptop und schließlich mit dezidierter Regatta-Software (Velum) entwickelte sich mit um alle Besonderheiten abbilden zu können.

4. Hessenregatta 1995

Es wurde jedoch deutlich, dass man die Hessenregatta nicht so nebenbei organisieren und durchführen kann. Mal hier oder mal da einen Veranstalter suchen, das konnte für die Zukunft so nicht weiter gehen.  Daher beschlossen 11 Hessen den „Fahrtensegler-Club Königstein i. Ts. 1995 e.V.“ zu gründen um die 4. Hessenregatta auszurichten und den Grundstein für die erfolgreiche Ausrichtung vieler weiterer Hessenregatten zu legen.

Von 1995 bis 1997 war Klaus Oppermann Wettfahrtleiter und die Hessenregatta wurde im Känguruh Start ausgetragen. In den darauffolgenden Jahren wechselte die Wettfahrtleitung von Siegfried Hornschuh über Lothar Müller, der durch steigende Teilnehmerzahlen wieder den Gruppenstart einführte, zum langjährigen Wettfahrtleiter Manfred Iffland, der ab 2000 die Geschicke übernahm.

Entwicklung der Hessenregatta

Die Hessenregatta hat sich in den Folgejahren immer weiterentwickelt.

So wurde z.B. 1997  mit dem Hessencup eine Vereinswertung für den besten hessischen Fahrtenseglerverein eingeführt. 2001 wurden die Startgruppen nach Eigner- und Charteryachten getrennt um den Unterschieden der Klassen gerecht zu werden.
Um fernab des Wettkampfs die Attraktivität zu erhöhen geht es nunmehr von Gedser nicht mehr nach Klintholm, sondern in den atmosphärisch sehr schönen Hafen von Stubbekøbing. Dort warten, dank des  engagierten Hafenmeisters, angeheizte Grills und eigens aufgebaute Bänke auf die hungrigen Segler um beim gemeinsamen Grillen den Abend im wunderschönen Grönsund zu genießen.  Die traditionelle „Schuppenfete“ wurde ebenfalls vom kleinen und in die Jahre gekommenen Schuppen des Yachthafens Mittelmole übergangsweise in den vor den Elementen besser geschützten nahegelegenen Lokschuppen verlegt. Somit konnte nach der längsten Etappe und einem Ruhetag in Warnemünde am Bergfest weiterhin ausgiebig gefeiert und getanzt werden.

Zu guter Letzt, um die Fahrtensegel-Regatta auch „offiziell“ bei Sportlerehrungen daheim würdigen lassen zu können, wird seit 2018  im Rahmen der Hessenregatta  auch offiziell die „Hessenmeisterschaft im Fahrtensegeln“ ausgetragen. Ebenso übergab 2018 Manfred Iffland  als langjähriger Wettfahrtleiter  der Hessenregatta diese Aufgabe an an Peter Helldén, der in der darauffolgenden Regatta 2019 mit viel Nebel zugleich seine Geschicke unter Beweis stellen konnte.

Somit wurde die Hessenregatta für viele Crews fester Bestandteil ihrer Jahresplanung. Auch bei norddeutschen Seglern ist die Veranstaltung zu einer festen Größe in der Segelsaison geworden, die nicht mehr gemisst werden will.

Im Verlauf der Jahre sind daher die Teilnehmerzahlen immer weiter gestiegen, sodass das Maximum von 80 Booten, begrenzt durch die vorhandenen Hafenkapazitäten, mehrmals erreicht wurde.

Auch in den überregionalen Medien und im Fernsehen war die Hessenregatta immer wieder präsent: So hatte bereits 1998 der hessische Rundfunk einen ersten Film über die Hessenregatta gedreht.  Und 2016 zur 25. Hessenregatta hat ein Redakteur der Zeitschrift „Yacht“ in einem Bericht seine Erlebnisse der Mitfahrt auf dem Startschiff  veröffentlicht.

29. Hessenregatta

Im Jahr 2020 musste wegen der Corona-Pandemie und damit verbundenen Einreise- und Veranstaltungsbeschränkungen zum ersten Mal die Hessenregatta in ihrer bis dato fast 30 jährigen Geschichte schweren Herzens abgesagt werden.

Doch in jedem Ereignis steckt Potential zur Veränderung. Da der FSCK, gegründet als Verein zur Ausrichtung der Hessenregatta, wie viele andere Vereine seit geraumer Zeit mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat, wurde diese Pause genutzt um die Organisation und Ausrichtung der Hessenregatta auf neue Schultern zu verteilen.

Der Segel Club Rüsselsheim 03, welcher seit seiner Gründung im Jahr 2003 regelmäßig an der Hessenregatta teil nimmt, und die SCR 03 Hessenregatta-Skipper Heiko Heese, Klaus Kraft und Stefan Kämmerer, die sich, wie viele andere Skipper, in den letzten Jahren bereits konstruktiv an Fragen zur Gestaltung und Ausrichtung der Hessenregatta beteiligt haben, übernehmen daher zukünftig die Organisation und Ausrichtung der Hessenregatta.

Die Hessenregatta kann damit als hessische Fahrtensegelregatta in der Ostsee für alle Fahrtensegler weitergeführt werden. Sie soll  weiter im konstruktiven Austausch mit allen Teilnehmern, wie in den Jahren zuvor, stetig verbessert und den wechselnden Umständen angepasst werden. Damit die Hessenregatta auch in Zukunft eine für alle Fahrtensegler attraktive Regatta auf der Ostsee bleibt und möglichst vielen Hessen die Faszination sportlichen Fahrtensegelns vermitteln kann.